Beschreibung
der Kaufmännischen Schulen der Universitätsstadt Marburg
Die
Kaufmännischen Schulen werden derzeit von ca. 1900 SchülerInnen besucht; gut zwei
Drittel von ihnen sind dem Teilzeitbereich mit den Berufsfeldern 06 (Wirtschaft
und Verwaltung) und 08 (Gesundheit) zuzuordnen. Ungefähr 600 Jugendliche nehmen
eines der folgenden Bildungsangebote im Vollzeitbereich wahr:
- Eingliederungslehrgang
in die Berufs- und Arbeitswelt (EIBE)
- Berufsgrundbildungsjahr
- Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung
- Zweijährige
Berufsfachschule - Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung
- Einjährige
Berufsfachschule für Wirtschaft (Höhere Handelsschule)
- Zweijährige
Berufsfachschule für Informationsverarbeitung
- Zweijährige
Berufsfachschule für Fremdsprachensekretariat
- Zweijährige
Berufsfachschule für Betriebswirtschaft
- Fachoberschule
- Schwerpunkt Wirtschaft/Verwaltung
- Berufliches
Gymnasium - Schwerpunkt Wirtschaft
Die
EIBE an den Kaufmännischen Schulen
"Schule hat Menschen zu stärken, Beziehungen zu ermöglichen
und lohnende
Aufgaben zu stellen ..." (THIMM)
Das
pädagogische Konzept der Lehrgänge gründet auf der Annahme, dass Schule mehr sein
muss als ein Ort abstrakter Wissensvermittlung. Sie sollte auch und insbesondere
benachteiligten Jugendlichen Hilfen zur Lebensbewältigung bieten:
Will man
Jugendliche zu einem souveränen und gemeinschaftsorientierten Umgang mit einer
immer offeneren und zugleich diffuseren Zukunft befähigen, so wird man diesem
Anspruch nur gerecht, wenn man sich neben der Vermittlung von Kulturtechniken
und Fachwissen gezielt um die Entfaltung von Schlüsselqualifikationen bemüht.
Kooperations- und Verantwortungsbereitschaft, Kreativität, Enttäuschungsfestigkeit
und Fähigkeiten des Risikomanagements lassen sich aber kaum im Rahmen der Unterrichtsroutine
fördern. Sie entwickeln sich bei der Bewältigung subjektiv herausfordernder und
widerständiger Situationen. Jugendliche benötigen diese authentischen Erfahrungen
von Selbstwirksamkeit und Handlungskontrolle. Der traditionelle Schulalltag offeriert
jedoch kaum diesbezügliche Ereignisse - in der Wahrnehmung von SchülerInnen dominieren
Fragmentierung, Simulation und Folgenlosigkeit das Geschehen.
EIBE
stellt sich dieser Problematik:
- durch
die Integration handlungs- und projektorientierter Elemente in den Unterricht
- durch
individuelle Förderpläne für die SchülerInnen
- durch
hohe Praktikumsanteile mit intensiver Vor- und Nachbereitung
- durch
intensive Sprachförderung (Deutsch als Zweitsprache)
- durch
spezielle erlebnispädagogische Programme zur Förderung von persönlichkeits- und
gruppenbezogenen Qualifikationen (Adventure Based Counseling)
- durch
einen lebensweltbezogenen Ansatz, der sich in kontinuierlicher sozialpädagogischer
Betreuung der Lehrgänge und in der Kooperation mit außerschulischen Bildungs-
und Jugendhilfeträgern ebenso niederschlägt wie im Selbstverständnis der Lehrenden,
die sich nicht nur als Wissensvermittler sondern auch als Berater begreifen
- durch
die Bereitstellung von Räumen und Arbeitsmaterialien, die den unterschiedlichsten
Lernsituationen gerecht werden und es erlauben, die Schule als Lebensraum wahrzunehmen
- durch
personelle Kontinuität, enge Kooperation und beständige Fortbildung der in der
EIBE beschäftigten PädagogInnen